Geschichte des 1.öSEK

Der erste österreichische Straßenbahn- und Eisenbahnklub (kurz 1.öSEK) wurde 1972 zu einer Zeit gegründet, zu der das Ende des Dampflokzeitalters in greifbare Nähe gerückt war.

Die Hauptaktivität des jungen Klubs war damals die Veranstaltung von Sonderfahrten mit alten Straßenbahn- und Eisenbahnfahrzeugen, um sie noch einmal in Betrieb sehen zu können und der Nachwelt brauchbare Foto- und Filmdokumente hinterlassen zu können.

Hieraus entstand auch Kontakt zur damals noch in Betrieb stehenden Zugförderungsstelle der ÖBB in Strasshof sowie zum Österreichischen Eisenbahnmuseum (ÖEM). Schon bald hatten sich einige fachlich interessierte Mitglieder gefunden, die versuchten, die in ganz Österreich verteilten, ungepflegten, bestohlenen und verrosteten Dampflokomotiven, die für das staatliche Eisenbahnmuseum vorgesehen waren, in das vor der Schließung stehende Heizhaus zu bringen. Diese Initiative eines privaten Vereins (1.öSEK) kam dem ÖEM gelegen und mündete schließlich in einem Leihvertrag für die hinterstellten Exponate.

Erstmals tauchte in dieser Zeit die Idee auf, das Heizhaus nach der Schließung in ein Eisenbahnmuseum zu verwandeln. Dieser Vorschlag stieß aber auf keinerlei Gegenliebe seitens der Bundesbahn, die sich noch dazu entschloss, das staatliche Eisenbahnmuseum aus ihrer Verwaltung auszugliedern und an das Wissenschaftsministerium abzutreten.

Nun begann eine schwere Zeit für den 1.öSEK, der sich in Verhandlungen dafür einsetzte, die ehemalige Zugförderung (seit 31. Dezember 1978 gesperrt) dauerhaft zu übernehmen.

Es sollte fast 3 Jahre dauern bis eine für alle Seiten befriedigende Lösung gefunden werden konnte, um die staatliche Eisenbahnsammlung dauerhaft zu schützen und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Heizhausanlage samt zugehörigen Nebenanlagen wurde schließlich unter Denkmalschutz gestellt.

Am 1. Juni 1983 wurde schlussendlich vom 1.öSEK der Pachtvertrag mit den ÖBB unterzeichnet. So entstand die in Österreich wohl einmalige Situation, dass ein privater nicht auf Gewinn ausgerichteter Verein eine denkmalgeschützte Anlage erhält, um die darin ebenfalls von ihm betreute staatliche Eisenbahnsammlung fast ausschließlich aus Eigenmitteln zu sanieren und revitalisieren.

Während dieser drei Jahre war der 1.öSEK aber nicht untätig. Hinter den Kulissen wurde mit den Arbeiten begonnen, außerdem wurden Festveranstaltungen und Nostalgiefahrten durchgeführt, Jubiläumsfeiern bestritten und mit den ÖBB die damals obligaten Tage der offenen Tür am Wiener Südbahnhof organisiert. Außerdem begann man das Heizhausgebäude und die Drehscheibe zu sanieren und hielt die umfangreiche Fahrzeugsammlung zusammen, denn es gab damals von anderen die Bestrebung, das eine oder Andere „schmucke Schnauferl“ als sogenanntes „Lokdenkmal“ aufzustellen.

Es war die schwerste Zeit für alle Mitarbeiter. Einbrüche in das Gebäude standen auf der Tagesordnung, Vandalen hatten alle Fenster zerschlagen und „nette Zeitgenossen“ alles Inventar bis hin zur letzten Leuchtstoffröhre entwendet oder demoliert. Die Achssenke und alle anderen Werkzeugmaschinen wurden durch die ÖBB abtransportiert. Der 1.öSEK stand vor einer devastierten Halle ohne Strom und Wasser. Trotzdem wurde weitergearbeitet, bei Einbruch der Dunkelheit kramten die Mitarbeiter das selbst mitgebrachte Werkzeug zusammen und fuhren, ohne sich waschen zu können, mit der Schnellbahn heim. Das alles ausschließlich in der Freizeit, ohne Entgelt, an Wochenenden, und wenn es sein musste nach der Arbeit und über Nacht.

Am 1. April 1984 begann die erste reguläre Besuchersaison im Heizhaus Strasshof an der Nordbahn. Der 1.öSEK hatte damals 115 Mitglieder.

In den seither vergangenen Jahren wurde der Ausstellungs- und Werkstättenbetrieb perfektioniert. Dazu wurden ein umfangreicher Werkzeugmaschinenpark und sogar eine Achssenke erworben. Die Dampfbetriebstage konnten ständig erweitert und seit 1988 Anschlusszüge zur Schnellbahn in den Bahnhof Strasshof geführt werden.

1987, im Jahr des 150-jährigen Jubiläums der Eisenbahn in Österreich, wurde die ehemalige Stadtbahnlokomotive 30 33 von den Mitarbeitern des 1.öSEK wieder in betriebsfähigen Zustand versetzt. Damit war sie die erste Normalspurlokomotive, welche ausschließlich von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern hauptausgebessert wurde. Der Eröffnungszug der Vorortelinie wurde mit dieser Lok bespannt. Während diesem Jubiläum (August und September) wurde das Museum wieder eine Zugförderungsstelle der ÖBB. Alle an dieser Parade teilnehmenden Dampfloks waren im Heizhaus stationiert.

1992 wurde die klassische Südbahnschnellzuglok 109.13 unter Inkaufnahme größter organisatorischer und finanzieller Mühen wieder in Dienst gestellt. Sie war damit die erste noch im Ostblock (Budapest) hauptausgebesserte österreichische Dampflok.

1993 konnte ebenfalls ein interessantes Fahrzeug, welches von den Mitgliedern des 1.öSEK in 6.875 Arbeitsstunden restauriert wurde, in Betrieb genommen werden. Es handelte sich um den Gepäckstriebwagen DT 1.07.

1994 zum 10-jährigen Museumsjubiläum, konnte die 52 100 als weitere Lok betriebstauglich präsentiert werden. Es handelt sich dabei um die älteste noch vorhandene Vertreterin der bekannten deutschen Kriegslok.

In diesem Jahr wurden mit den Veranstaltungen „52 Jahre Baureihe 52“ sowie dem „Internationalen Schnellzugslokomotivtreffen“ neue Maßstäbe im Museumsbetrieb gesetzt.

1997 wurde der 1.öSEK eingeladen als Generalleihgeber bei der Burgenländischen Landesausstellung in Mattersburg aufzutreten. Höhepunkt war dabei die Inbetriebnahme der 629.01, die als erste österreichische Normalspur-Dampflok in der berühmten Lokwerkstatt in Meiningen aufgearbeitet wurde.

1999 schlossen das Technische Museum Wien (TMW) und der 1. österreichische Straßenbahn und Eisenbahn Klub (1.öSEK) einen Zusammenarbeitsvertrag, der die Zukunft des Eisenbahnmuseums regeln sollte. In diesem Vertrag war der Ausbau des Museums in Strasshof vorgesehen. Noch im selben Jahr konnten die Lokomotiven aus dem Freigelände des Technischen Museum Wien unter Leitung des 1.öSEK’s nach Strasshof gebracht werden, um sie wieder in ihrem angestammten Ambiente zu präsentieren.

In den beiden folgenden Jahren wurden erste positive Ausbaumaßnahmen und Zusammenführungsmaßnahmen durchgeführt, dann verlor das TMW zunehmend das Interesse an diesem ehrgeizigen Projekt.

2000 restaurierte der 1.öSEK die weltberühmte Lok 180.01.

2001 wurden drei alte Güterwagen renoviert.

2005 konnte die älteste existierende Schnellzuglok, die 17c 372 von den Mitarbeitern des 1.öSEK wieder in betriebsfähigen Zustand versetzt werden.

Bis 2005 ist die Sammlung des Eisenbahnmuseum Strasshof enorm angewachsen. Nicht nur die Fahrzeugsammlung wurde stark vergrößert, sondern auch die Bereiche Infrastruktur und Archiv erfuhren einen Zuwachs.

2006 kündigte das TMW vorzeitig den Zusammenarbeitsvertrag mit dem 1.öSEK auf. Ausschlaggebend war eine generelle Änderung des Museumskonzeptes des TMW, bei der wiederum eine eigene Eisenbahnausstellung vorgesehen ist. Darauf hin wurden 24 Fahrzeug-Exponate aus der Sammlung in Strasshof abgezogen. Andere Leihnehmer waren nicht betroffen.

Damit erfolgte wiederum eine Aufteilung der Eisenbahnsammlung und es entstanden unwiederbringliche Lücken in der Chronologie der Fahrzeugsammlung des Eisenbahnmuseum Strasshof. Das TMW legte für alle in Strasshof verbliebenen Exponate sowie für alle Denkmal-Lokomotiven die Leihnahme gegenüber der Republik Österreich zurück.

2007 Die Republik Österreich konnte die ÖBB-Holding als neuen Leihnehmer gewinnen. Die ÖBB-Holding beabsichtigt nun mit Hilfe des 1.öSEK das Eisenbahnmuseum Strasshof auszubauen. Dazu wurde zwischen der ÖBB-Holding und dem 1.öSEK ein Kooperationsvertrag unterzeichnet, in dem unter anderem die Betreuung der Exponate durch den 1.öSEK langfristig gesichert ist.

In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Staatsarchiv fand eine umfangreiche Sonderausstellung zum Thema „150 Jahre Südbahn, Wien – Triest“ statt. Höhepunkt dieser Schau ist der neu renovierte Lazarettwagen aus dem 1.Weltkrieg.

2009 ist das Eisenbahnmuseum mit dem österreichischen Gütesiegel ausgezeichnet worden.

Von 2010 bis 2012 konnte eine Vielzahl von historisch wertvollen Fahrzeugen von der ÖBB-Erlebnisbahn übernommen werden.

Um den Fortbestand und Ausbau des Museums zu sichern, musste das Museumsgelände 2013 von den ÖBB erworben werden. Dabei konnte die Grundfläche konnte um 13.000m² vergrößert werden und beträgt nun insgesamt über 150.000m².